Das waren die Tech Days Munich 2019

„Digitalisierung überkommt uns nicht – sie muss gemacht werden“

Ein Grußwort gab es für die Tech Days Munich 2019 von Markus Söder persönlich. Per Videobotschaft schickte der bayerische Ministerpräsident einen wichtigen Appell: „Wir müssen erkennen, dass wir in Bezug auf Digitalisierung ganz am Anfang stehen.“ Um im internationalen Vergleich konkurrenzfähig zu bleiben, sei es notwendig mehr in die Zukunft, in KI, Robotics und andere digitale Technologien zu investieren.

Die Tech Days Munich haben sich zur Aufgabe gemacht, die digitale Transformation mitzugestalten und durch zukunftsrelevante Themenschwerpunkte und geballte Expertise Innovationen voranzutreiben. In ihrer fünften Ausgabe konnten sie im Münchner Muffatwerk mit fünf Stages, mehr als 100 Speakern, 30 Startup-Pitches, neun Workshops und einem Ausstellungsbereich für Gründer und Tech-Unternehmen aufwarten.

Die Schwerpunkte der Tech Days 2019 umfassten die Themen Innovation Management, IT-Security, New Work, 5G, Internet of Everything, AI und Payment of the Future. „Wir wollen verschiedene Perspektiven beleuchten und Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche geben, um innovatives Arbeiten zu stimulieren“, betonte Peter Möhring, Leiter der Geschäftsstelle des Sicherheitsnetzwerks München, in seiner Begrüßung.

Dieses Vorhaben setzte die Konferenz mit Impulsen aus der Industrie, dem Startup-Bereich und der Kreativszene um. Alle von der Frage nach der digitalen Zukunft getrieben. Keynote Speaker Michael Tagscherer, CTO von Giesecke+Devrient setzte einen Fokus darauf, dass eine komplett vernetzte Welt passende Lösungen brauche: Eine Million Devices werden sich 2023 in jeder Stunde verbinden, so Tagscherer. Um diese Herausforderungen zu meistern, setzt er auf drei Schlagworte: 5G, Benutzerfreundlichkeit und kundenzentrierte Geschäftsmodelle. „Vor allem dürfen wir nicht den Nutzen, den Business Case vergessen.“ In Bezug auf Use Cases nicht wegzudenken seien Daten, das neue Öl. Aber: „Es sind nicht die Daten, die den Nutzen bringen, sondern das, was man daraus macht.“

Small Steps, Big Benefits

Die meisten Unternehmen seien sich mittlerweile bewusst, dass die Digitale Transformation jeden Bereich durchdringen werde, erklärte Markus Rolle, CTO von Telefonica. Doch die Vorstellung, das eigene Unternehmen zu transformieren, gleiche für viele trotzdem einem Albtraum. Auf der einen Seite der Druck, den Wandel zu vollziehen, auf der anderen Seite die Unsicherheit darüber, wie sich das am besten stemmen lässt. Telefonica wählte beim eigenen Wandel eine klare Taktik: „Alles um die Kunden herum zentrieren, ihr Leben simpler und smarter machen.“ Für einen nachhaltigen Wandel sei es hilfreich, kleine Schritte zu gehen, sich auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren und nicht immer an einen Big Bang zu denken – in großen, gewachsenen Unternehmen sei der gar nicht möglich.

Dass Unternehmen ohnehin keine andere Wahl als die zur digitalen Transformation haben, glaubt Andy Goldstein: "Change is no longer a choice", betonte der Managing Director bei Deloitte Digital bei den Tech Days. In der digitalen Ära gebe es keinen Weg zurück: Quantum Computing, AI, Sensors & Io, Advanced Robotics – das alles entwickle sich innerhalb der nächsten Jahre immer weiter. Um die neuen Technologien sinnvoll einzusetzen, müssen Unternehmen allerdings wissen, wie sie verfügbare Mittel nutzen können. „Coporates learn how to learn businesses.“ Hierarchien flacher zu gestalten und mehr Raum zum Experimentieren sei Voraussetzung dafür, sich zu einem Unternehmen mit Innovationskultur zu entwickeln.

New Work, New Skills

Die Mitarbeiter und die Unternehmenskultur in der neuen Arbeitswelt standen im Zentrum eines eigenen Panels: „New Work: Skills for Digitization“ wurde moderiert von Imme Witzel, die beim ZD.B die Themenplattform Arbeitswelt 4.0 koordiniert und weiß: „Für New Work brauchen wir viele Fähigkeiten auch über die technischen Kompetenzen hinaus, die es ermöglichen, vernetzter zu arbeiten, flexibler zu arbeiten, in wechselnden Teams.“

Darüber stimmten auch die Panelisten Rolf Illenberger von Vrdirekt, Swantje Napp von der Deutschen Telekom, und Prof. Sabine Pfeiffer von der FAU Erlangen-Nürnberg überein. Für Napp das erfolgversprechendste Vorgehen, um die Unternehmenskultur zu transformieren: Skill Gaps durch Transparenz im Unternehmen identifizieren. "Wenn Lücken rechtzeitig bemerkt werden, können wir sie schließen und die Mitarbeiter qualifizieren.“ Pfeiffer betonte, dass einer der wichtigsten Schritte für die digitale Transformation sei, den Mitarbeitern die Möglichkeit zur aber auch Unterstützung bei der Fortbildung zu geben. „Digitalisierung überkommt uns nicht einfach – sie muss gemacht werden.“ Für Illenberger gewinnen besonders Soft Skills wie Kreativität oder Teamfähigkeit an Bedeutung für ein innovatives Unternehmen.

Das disruptive Potenzial von Blockchain

Nicht nur die digitale Transformation stand bei den Tech Days 2019 auf dem Programm, auch Technologien, für die es bereits handfeste Einsatzgebiete gibt, fanden ihren Platz auf der Bühne.

Ein Themenschwerpunkt etwa lag auf dem Bereich Blockchain, dem sich mehrere Programmteile widmeten. Nun, da der große Hype vorbei sei, könne man sinnvolle Geschäftsfelder für den Einsatz der neuen Technologie ausloten, leitete Sascha Stöppelkamp von BICCnet/ZD.B eine der Sessions ein, in der Asim Soysal, Strategic IT Consultant bei Fujitsu, Neele Franke von IBM, Sharath Muddaiah, Director strategic solutions bei G+D und Alexander Bogensperger, Research Assosiate bei FFE ihre Use Cases vorstellten und Vorteile und Herausforderungen von Blockchain diskutierten.

Soysal sieht Blockchain als Disruption für zahlreiche Bereiche und betonte, dass schon bald ein neuer Markt und neue Geschäftsmodelle existieren werden. Umso wichtiger sei es für Unternehmen, vorne mitzuspielen, denn: "The winner takes it all". Neben Energiebereich, Energiehandel und Lebensmittelsektor zeichnet sich vor allem beim Thema additive Fertigung großes Potenzial ab. Ein Feld, das sich mit der Digitalisierung erst geöffnet hat. Über die Blockchain kann Designern beim 3D-Druck das Urheberrecht gewährleistet werden. Eine grundsätzliche Frage für Muddaiah: "Können wir garantieren, dass die Daten, die in die Blockchain kommen, wirklich vertrauenswürdig sind?"

Reger Austausch, lebendige Diskussionen

Konkrete Anwendungsmodelle nicht nur im Bereich Blockchain zeigten insgesamt 30 Start-ups in kurzen Pitches. Ihre vielversprechenden Geschäftsideen befassten sich mit der Nutzung, Automatisierung und Aufbereitung von Daten, genauso wie mit erneuerbaren Technologien oder künstlicher Intelligenz.

Hatten die Besucherinnen und Besucher bereits im Rahmen der Vorträge und Panels bei den Tech Days viel Raum für Fragen, bot ein eigener Workshopbereich ihnen die Möglichkeit, sich direkt mit Experten zu drängenden Digitalthemen auszutauschen. Zu den Experten gehörten unter anderem Dominik Golle und Dr. Christian Thiel von der Themenplattform Verbraucherbelange des ZD.B. Sie setzten sich mit der Frage auseinander: Wie können Firmen gewährleisten, sensible Daten zu schützen und datenschutzkonform zu agieren? „Wir möchten Unternehmen helfen, ihre Produkte datenschutzfreundlicher zu gestalten“, so Thiel. „Deswegen haben wir einen Workshop entwickelt, der Strategien aufzeigt, mit deren Hilfe sich Privacy by Design umsetzen lässt.“

Ihren Auftakt hatten die Tech Days einst im WERK1 am Münchner Ostbahnhof, erinnert sich Möhring. Das Sicherheitsnetzwerk München hatte die Veranstaltung aus der Taufe gehoben. „Als wir starteten, dachten wir niemals, dass es auch eine fünfte Edition geben wird.“ Doch die Veranstaltung ist längst etabliert – und hat mit dem Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B ) seit drei Jahren einen starken Partner gefunden. Dr. Holger Wittges, operativer Geschäftsführer des ZD.B, sieht großen Mehrwert in der Zusammenarbeit. Es gebe viele gemeinsame Schwerpunkte, zu denen das ZD.B Expertise, Themenfelder und Netzwerke beisteuern könne.